# Gesundes Altern für Frauen: Warum die Medizin lange falsch lag
Frauen altern anders als Männer – das gilt medizinisch und körperlich. Dennoch wurde Jahrzehnte lang der männliche Körper als Norm in der Forschung verwendet. Das hatte ernste Folgen für die Gesundheit von Frauen, besonders ab 60.
Was steckt hinter dem gesunden Altern für Frauen?
Herzchirurgin Sandra Eifert erklärt in einem aktuellen Spiegel-Podcast ein wichtiges Problem: Die meisten medizinischen Studien wurden lange Zeit fast ausschließlich mit Männern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden dann einfach auf Frauen übertragen. Das war ein Fehler.
Denn Frauenherzen sind kleiner als Männerherzen. Herzinfarkte zeigen sich bei Frauen oft mit völlig anderen Symptomen. Frauen klagen häufiger über Übelkeit, Rückenschmerzen oder Erschöpfung – statt über den klassischen Brustschmerz. Deshalb werden Herzprobleme bei Frauen noch immer zu oft übersehen oder falsch gedeutet.
Auch die Hormonumstellung in den Wechseljahren spielt eine große Rolle. Östrogen schützt Blutgefäße. Nach der Menopause sinkt dieser Schutz. Das Herzinfarktrisiko steigt bei Frauen danach deutlich an. Viele Ärzte beachten diesen Zusammenhang zu wenig.
Gesundes Altern für Frauen bedeutet daher: Die eigenen Risiken kennen. Und gezielt nach frauenspezifischen Beschwerden schauen – nicht nur nach dem, was bei Männern typisch ist.
Was bedeutet das für Sie persönlich?
- Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aktiv an. Fragen Sie gezielt nach frauenspezifischen Herzrisiken – zum Beispiel nach Ihrem persönlichen Risiko seit den Wechseljahren.
- Kennen Sie untypische Warnsignale. Übelkeit, ungewöhnliche Erschöpfung, Schmerzen im Rücken oder Kiefer können bei Frauen auf einen Herzinfarkt hinweisen. Nehmen Sie solche Beschwerden ernst.
- Lassen Sie Blutdruck und Cholesterin regelmäßig prüfen. Beide Werte steigen nach der Menopause häufig an. Frühzeitig handeln schützt Ihr Herz.
- Bleiben Sie körperlich aktiv. Bewegung stärkt Herz und Gefäße – gerade nach den Wechseljahren ist das besonders wichtig. Schon 30 Minuten Spazierengehen täglich helfen.
Dr. Hoffmanns Einschätzung
Als Kardiologe rate ich meinen Patientinnen ab 60: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihre Beschwerden „nicht nach Herz klingen”. Als Arzt ist es meine Pflicht, frauenspezifische Symptome ernst zu nehmen – und ich erwarte dasselbe von jedem Kollegen. Sprechen Sie offen über Ihre Gesundheit. Ihr Herz verdient individuelle Aufmerksamkeit.
📅 Original veröffentlicht: 11.04.2026 – 19:11 Uhr
🕐 Auf über60plus.de geteilt: 01.05.2026 – 18:00 Uhr