Viele Menschen ab 60 Jahren nehmen täglich mehrere Medikamente. Das ist oft notwendig – aber nicht immer ohne Risiko. Eine neue Studie warnt nun ausdrücklich vor bestimmten Wirkstoffen, die für Senioren gefährlich werden können.
Was steckt hinter der Warnung vor riskanten Medikamenten für Senioren?
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Die Nieren arbeiten langsamer. Die Leber baut Wirkstoffe anders ab. Das bedeutet: Medikamente, die für jüngere Menschen sicher sind, können bei Senioren viel länger im Körper bleiben – und stärker wirken als gewollt.
Genau das hat die aktuelle Studie untersucht. Forscher haben eine Liste von Wirkstoffen zusammengestellt, die für Menschen über 65 Jahre ein erhöhtes Risiko darstellen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel, einige Blutdruckmittel sowie bestimmte Schmerzmittel. Diese können Stürze, Verwirrtheit oder Herzprobleme auslösen.
Besonders kritisch wird es, wenn mehrere solcher Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Fachleute sprechen dann von „Polypharmazie“. In Deutschland nehmen viele Senioren fünf oder mehr Medikamente täglich. Das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen steigt dabei deutlich an.
Die sogenannte „Priscus-Liste“ aus Deutschland und die europäische „STOPP/START-Liste“ helfen Ärzten dabei, ungeeignete Medikamente für ältere Patienten zu erkennen. Diese Listen werden regelmäßig aktualisiert – und die neue Studie liefert wichtige Hinweise für die nächste Überarbeitung.
Was bedeutet das für Sie persönlich?
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Bitten Sie bei Ihrem nächsten Termin um eine Überprüfung all Ihrer Medikamente. Fragen Sie gezielt: „Sind alle diese Mittel für mein Alter geeignet?“
- Führen Sie einen Medikamentenplan: Notieren Sie jedes Mittel, jede Dosierung und die Einnahmezeit. Das hilft auch beim Arztbesuch und in der Notaufnahme.
- Nehmen Sie keine Medikamente eigenständig ab oder hinzu: Auch rezeptfreie Mittel aus der Apotheke können Wechselwirkungen verursachen. Fragen Sie immer Ihren Apotheker oder Arzt.
- Achten Sie auf Warnsignale: Schwindel, Stürze, Verwirrtheit oder Herzrasen nach der Einnahme eines Medikaments sollten Sie unbedingt melden – das können Zeichen sein, dass ein Wirkstoff nicht zu Ihnen passt.
Dr. Hoffmanns Einschätzung
Als Kardiologe und Internist rate ich jedem meiner Patienten über 60: Lassen Sie Ihre Medikamente mindestens einmal im Jahr komplett überprüfen. Als Arzt weiß ich, dass ein einziges ungeeignetes Medikament die Lebensqualität erheblich verschlechtern – oder sogar gefährlich werden kann.
📅 Original veröffentlicht: 22.03.2026 – 07:00 Uhr
🕐 Auf über60plus.de geteilt: 01.05.2026 – 21:00 Uhr



