# Warum Ihr Blutdruck im Frühling plötzlich sinkt – und wann Sie die Medikamente anpassen sollten
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, jedes Jahr im März und April beobachte ich in meiner Praxis dasselbe Phänomen. Meine Patientinnen und Patienten kommen besorgt herein und berichten: „Herr Dr. Hoffmann, mein Blutdruck ist plötzlich so niedrig.“ Dabei fühlen sie sich schwindelig, müde und unsicher. Wenn auch Sie über sechzig Jahre alt sind und Ihre Blutdruckwerte im Frühling schwanken, dann ist dieser Artikel genau für Sie geschrieben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Im Frühling sinkt der Blutdruck bei vielen Menschen über sechzig Jahren natürlich ab.
- Wärme, mehr Bewegung und veränderte Ernährung sind die häufigsten Ursachen.
- Blutdruckmedikamente müssen im Frühling möglicherweise angepasst werden.
- Schwindel, Stürze und Ohnmachtsanfälle sind ernste Warnsignale.
- Sprechen Sie immer zuerst mit Ihrem Arzt, bevor Sie Medikamente verändern.
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## Warum der Frühling Ihren Blutdruck verändert
Viele Menschen wundern sich jedes Jahr aufs Neue darüber. Der Winter war vorbei, die Sonne scheint wieder. Und plötzlich fühlt man sich seltsam benommen beim Aufstehen. Der Blutdruck im Frühling sinkt bei einem Großteil der älteren Menschen spürbar ab. Das ist keine Einbildung. Das ist Biologie.
### Die Rolle der Wärme für Ihre Blutgefäße
Unser Körper ist ein hochkomplexes System. Im Winter ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Enge Gefäße halten die Körperwärme besser. Gleichzeitig steigt dadurch der Blutdruck leicht an.
Im Frühling ändert sich das grundlegend. Die Temperaturen steigen, manchmal von einem Tag auf den anderen. Die Blutgefäße weiten sich wieder. Mediziner nennen diesen Vorgang **Vasodilatation**. Das bedeutet einfach: die Gefäßwände entspannen sich. Das Blut kann leichter fließen. Der Druck in den Gefäßen sinkt.
Dieser Mechanismus ist bei jungen Menschen gut ausbalanciert. Bei älteren Menschen über sechzig Jahren reagiert das Kreislaufsystem jedoch langsamer. Die Gefäße sind weniger elastisch. Der Körper braucht länger, um sich anzupassen. Das Ergebnis: vorübergehend zu niedriger Blutdruck, besonders in den Morgenstunden.
### Warum ältere Menschen besonders betroffen sind
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Gefäßwände. Sie werden steifer. Die Fähigkeit zur schnellen Anpassung nimmt ab. Gleichzeitig verändert sich auch das vegetative Nervensystem, das unseren Kreislauf automatisch reguliert.
Studien zeigen, dass bis zu siebenunddreißig Prozent der Menschen über sechzig Jahren im Frühjahr deutlich niedrigere Blutdruckwerte messen als im Winter. Das ist kein kleiner Unterschied. Das sind bis zu fünfzehn Millimeter Quecksilbersäule weniger – manchmal noch mehr.
Hinzu kommt: Viele ältere Menschen nehmen Blutdruckmedikamente. Diese Medikamente wurden oft im Herbst oder Winter eingestellt. Damals war ein höherer Blutdruck das Problem. Im Frühling wirken dieselben Medikamente auf einmal zu stark.
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## Die fünf häufigsten Ursachen für den Frühlingsabfall beim Blutdruck
In meiner über dreißigjährigen Praxiserfahrung habe ich immer wieder dieselben Auslöser beobachtet. Verstehen Sie diese Ursachen. Dann können Sie besser gegensteuern.
### Erste Ursache: Wärme und Gefäßerweiterung
Das haben wir bereits besprochen. Die Wärme ist der stärkste Treiber. Schon ein Anstieg der Außentemperatur um zehn Grad Celsius kann den systolischen Blutdruck um bis zu acht Millimeter Quecksilbersäule senken. Bei empfindlichen Menschen auch mehr.
### Zweite Ursache: Mehr Flüssigkeitsverlust
Im Frühling bewegen wir uns mehr. Wir gehen wieder häufiger spazieren. Wir arbeiten im Garten. Wir schwitzen dabei mehr als im Winter. Gleichzeitig trinken viele ältere Menschen zu wenig. Das Durstgefühl lässt mit dem Alter nach. Das Blutvolumen sinkt leicht. Der Blutdruck sinkt mit.
**Wichtiger Hinweis:** Ausreichend trinken ist im Frühling besonders wichtig. Mindestens anderthalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag sind empfehlenswert.
### Dritte Ursache: Verändertes Ess- und Trinkverhalten
Im Winter essen viele Menschen mehr. Schwere, kalorienreiche Kost war früher überlebenswichtig. Im Frühling wechseln viele auf leichtere Kost. Salate, Gemüse, weniger Salz. Das ist grundsätzlich gesund. Aber weniger Salz bedeutet auch: der Körper hält weniger Wasser. Das Blutvolumen sinkt. Der Blutdruck kann fallen.
### Vierte Ursache: Mehr körperliche Aktivität
Bewegung ist gesund. Aber nach einem bewegungsarmen Winter braucht der Körper Zeit. Beim Sport weiten sich die Muskeldurchblutung und die Gefäße erheblich. Der Blutdruck kann nach dem Sport kurzfristig stark absinken. Bei Menschen, die Blutdruckmittel nehmen, ist dieser Effekt verstärkt.
### Fünfte Ursache: Veränderte Schlafmuster und Tageslicht
Mehr Licht bedeutet mehr Melatonin-Abbau. Der Schlaf verändert sich. Die innere Uhr wird neu eingestellt. Das hat Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Cortisol, das Stresshormon, das morgens den Blutdruck stabilisiert, wird anders ausgeschüttet. Manche Menschen haben dadurch morgens besonders niedrige Werte.
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## Wie Sie Ihren Blutdruck zuhause richtig messen
Eine gute Blutdruckmessung ist die Grundlage für alles Weitere. In meiner Praxis frage ich jeden Patienten: „Messen Sie regelmäßig zuhause?“ Viele antworten: „Ja, aber ich weiß nicht, ob ich es richtig mache.“
### Die richtige Technik für zuverlässige Werte
- Fünf Minuten ruhig sitzen bevor Sie messen. Kein Kaffee, keine Aufregung, kein Sport kurz davor.
- Immer zur gleichen Uhrzeit messen – idealerweise morgens und abends.
- Die Manschette am Oberarm anlegen, nicht am Handgelenk. Oberarmmessgeräte sind genauer.
- Beide Arme vergleichen, wenn Sie zum ersten Mal messen. Der höhere Wert ist maßgebend.
- Dreimal hintereinander messen mit je einer Minute Pause. Den Durchschnitt notieren.
- Ein Blutdrucktagebuch führen. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und beide Werte.
### Was bedeuten die Zahlen?
Der Blutdruck wird in zwei Zahlen angegeben. Die erste, höhere Zahl ist der **systolische Wert** – der Druck beim Herzschlag. Die zweite, niedrigere Zahl ist der **diastolische Wert** – der Druck in der Ruhephase.
Ein normaler Blutdruck liegt unter einhundertzwanzig zu achtzig Millimeter Quecksilbersäule. Bei Menschen über sechzig Jahren gelten Werte bis einhundertdreißig zu achtzig noch als akzeptabel. Problematisch wird es, wenn der systolische Wert unter neunzig Millimeter Quecksilbersäule fällt.
### Ein Patientenbeispiel aus meiner Praxis
Eine meiner Patientinnen – ich nenne sie Frau M., achtundsechzig Jahre alt – kam im vergangenen April zu mir. Sie nahm seit zwei Jahren ein bewährtes Blutdruckmittel. Im Winter hatte sie damit Werte um einhundertfünfundzwanzig zu achtzig. Im April maß sie plötzlich nur noch neunzig zu sechzig. Sie hatte zweimal kurz gezittert und sich benommen gefühlt. Wir haben ihre Dosis behutsam angepasst. Innerhalb von zwei Wochen war sie beschwerdefrei. Ihre Geschichte ist typisch. Sie passiert in jeder Praxis jedes Jahr.
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## Blutdruckmedikamente im Frühling: Wann und wie anpassen?
Das ist die entscheidende Frage. Und ich muss sie ehrlich beantworten: **Ändern Sie niemals eigenständig Ihre Medikamente.** Das klingt streng. Aber es ist lebensnotwendig.
### Warum eigenständige Änderungen gefährlich sind
Blutdruckmedikamente wirken auf das Herz, die Nieren und die Gefäße. Manche haben Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Ein zu schnelles Absetzen oder Reduzieren kann gefährlich sein. Der Blutdruck kann dann plötzlich stark ansteigen – ein sogenannter **Rebound-Effekt**. Das erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erheblich.
### Wann sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen?
Gehen Sie zu Ihrem Arzt, wenn:
- Ihr systolischer Blutdruck regelmäßig unter hundert Millimeter Quecksilbersäule liegt.
- Sie sich häufig schwindelig fühlen, besonders beim Aufstehen.
- Sie sich schwach, müde oder benommen fühlen.
- Sie beim Aufstehen kurz schwarz vor Augen sehen.
- Sie in den letzten Wochen gestürzt sind.
- Ihre Messwerte im Frühjahr deutlich niedriger sind als im Herbst.
### Was der Arzt dann tun wird
Ihr Arzt wird zunächst Ihre aktuellen Messwerte auswerten. Ein **Blutdrucktagebuch** ist dabei sehr wertvoll. Bringen Sie es unbedingt mit. Dann wird er entscheiden, ob und wie die Medikamente angepasst werden.
Mögliche Maßnahmen sind:
- Reduzierung der Dosis eines bestehenden Medikaments.
- Pausieren eines von mehreren Blutdruckmitteln.
- Wechsel auf ein anderes Präparat.
- Engmaschige Kontrollen über mehrere Wochen.
Wichtig: Jede Anpassung erfolgt schrittweise und unter ärztlicher Kontrolle. Das ist kein schneller Prozess. Geduld ist gefragt.
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## Was Sie selbst tun können: Natürliche Maßnahmen für einen stabilen Blutdruck
Neben der ärztlichen Behandlung können Sie aktiv mithelfen. Das ist mir als Arzt besonders wichtig. Meine Patientinnen und Patienten, die selbst aktiv werden, haben deutlich bessere Werte.
💡 Alltagstipps von Dr. Karl Hoffmann, Kardiologe
- Langsam aufstehen: Setzen Sie sich nach dem Aufwachen zunächst auf die Bettkante. Warten Sie dreißig Sekunden. Dann erst aufstehen. Das verhindert den gefährlichen Blutdruckabfall beim schnellen Aufrichten.
- Viel trinken: Trinken Sie täglich mindestens anderthalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee. Schon leichter Flüssigkeitsmangel senkt den Blutdruck spürbar.
- Regelmäßige, moderate Bewegung: Tägliche Spaziergänge von dreißig Minuten stabilisieren den Kreislauf. Steigern Sie die Belastung langsam, besonders nach dem Winter.
- Kompressionstrümpfe tragen: Bei Neigung zu niedrigem Blutdruck helfen Kompressionsstrümpfe. Sie verhindern, dass zu viel Blut in den Beinen versackt.
- Koffein mit Bedacht: Eine Tasse Kaffee am Morgen kann den Blutdruck kurzfristig stabilisieren. Aber trinken Sie nicht zu viel – mehr als drei Tassen täglich können das Herz belasten.
- Mahlzeiten aufteilen: Essen Sie lieber fünf kleine Mahlzeiten statt drei große. Nach großen Mahlzeiten fließt viel Blut in den Magen. Der Blutdruck kann kurzzeitig sinken – besonders bei älteren Menschen.
- Hitze meiden: Heiße Bäder, Sauna und direkte Sonneneinstrahlung weiten die Gefäße stark. Bei niedrigem Blutdruck diese Situationen vermeiden oder sehr vorsichtig sein.
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## Orthostastische Hypotonie: Der gefährliche Blutdruckabfall beim Aufstehen
Es gibt eine besondere Form des niedrigen Blutdrucks, über die ich ausführlicher sprechen möchte. Sie betrifft besonders ältere Menschen und ist im Frühling besonders häufig.
### Was ist orthostatische Hypotonie?
**Orthostatische Hypotonie** bedeutet: Der Blutdruck fällt stark ab, wenn man sich aufrichtet. Beim Aufstehen aus dem Bett oder aus dem Sessel muss das Herz schnell mehr Blut nach oben pumpen. Gelingt das nicht rechtzeitig, fällt der Blutdruck kurz stark ab.
Das Ergebnis kennen viele: schwarze Punkte vor den Augen, Schwindel, unsichere Beine. Im schlimmsten Fall folgt eine Ohnmacht. Und eine Ohnmacht bedeutet bei älteren Menschen: Sturzgefahr, Knochenbruch, Krankenhausaufenthalt.
Medizinische Definition: Ein Blutdruckabfall von mehr als zwanzig Millimeter Quecksilbersäule systolisch innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen gilt als orthostatische Hypotonie.
### Wie häufig ist dieses Problem?
Studien aus Deutschland und Europa zeigen: Rund zwanzig bis dreißig Prozent aller Menschen über siebzig Jahren leiden unter orthostatischer Hypotonie. Bei Menschen, die mehrere Blutdruckmittel nehmen, ist der Anteil noch höher. Im Frühling, wenn der Blutdruck ohnehin niedriger ist, nehmen diese Episoden deutlich zu.
### Was tun bei orthostatischer Hypotonie?
- Langsam aufstehen – niemals schnell aus dem Bett springen.
- Morgens zunächst auf der Bettkante sitzen und ein Glas Wasser trinken.
- Stützstrümpfe oder Kompressionsstrümpfe tragen.
- Bei Schwächeattacken sofort setzen oder legen – niemals stehen bleiben.
- Den Arzt über die Episoden informieren.
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⚠ Wann sofort zum Arzt?
- Blutdruck unter neunzig zu sechzig Millimeter Quecksilbersäule – wiederholt gemessen.
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit – auch wenn sie kurz war und Sie sich wieder gut fühlen.
- Sturz durch Schwindel oder Schwächeanfall – auch ohne sichtbare Verletzung.
- Starke Übelkeit, Erbrechen und gleichzeitig niedriger Blutdruck – das kann auf ein Herzproblem hinweisen.
- Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag bei gleichzeitig niedrigem Blutdruck.
- Plötzliche Verwirrtheit oder Sprachprobleme – das können Zeichen eines Schlaganfalls sein. Rufen Sie sofort den Notruf einhundert zwölf an.
- Brustschmerzen bei niedrigem Blutdruck – unverzüglich den Notruf verständigen.
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Häufige Fragen
Wie stark darf der Blutdruck im Frühling absinken, ohne gefährlich zu werden?
Ein leichter Abfall von fünf bis zehn Millimeter Quecksilbersäule im Frühling ist normal und unbedenklich. Problematisch wird es, wenn der systolische Wert – also die erste Zahl – dauerhaft unter einhundert Millimeter Quecksilbersäule fällt. Noch kritischer ist ein Wert unter neunzig. Wenn Sie dabei Beschwerden wie Schwindel, Schwäche oder Benommenheit haben, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Menschen ohne Beschwerden und mit Werten um die einhundert bis einhundertzehn können zunächst abwarten und beobachten – aber immer mit ärztlicher Rücksprache.
Darf ich meine Blutdrucktabletten im Frühling einfach weglassen, wenn mein Blutdruck niedrig ist?
Nein – bitte tun Sie das auf keinen Fall eigenmächtig. Das ist eine der häufigsten und gefährlichsten Fehler, die ich in meiner Praxis erlebe. Manche Blutdruckmittel dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden, weil der Blutdruck dann stark zurückschwingt – manchmal gefährlich hoch. Das nennt man Rebound-Effekt. Wenn Ihr Blutdruck zu niedrig ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Dieser wird entscheiden, ob und wie die Dosis reduziert werden kann. Nur ein schrittweises, kontrolliertes Anpassen ist sicher.
Warum fühle ich mich im Frühling so müde, obwohl der Wetter besser wird?
Das ist eine sehr häufige Beschwerde und hat mehrere mögliche Ursachen. Einerseits kann ein leicht abgesunkener Blutdruck zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen. Andererseits verändert sich im Frühling die Schlafqualität durch das frühere Tageslicht und veränderte Melatoninspiegel. Auch ein Vitaminmangel nach dem Winter – besonders Vitamin D und Eisen – kann Erschöpfung verursachen. Wenn die Müdigkeit ausgeprägt ist und länger als zwei Wochen anhält, lohnt sich ein Blutbild beim Arzt.
Sollte ich im Frühling mehr Salz essen, um meinen Blutdruck zu stabilisieren?
Das ist ein häufiger Ratschlag aus früheren Zeiten, den ich heute differenziert sehe. Bei Menschen ohne Herzinsuffizienz und ohne schwere Nierenerkrankung kann eine leicht erhöhte Salzzufuhr im Frühling helfen, den Blutdruck zu stabilisieren. Aber bitte nicht übertreiben. Mehr als sechs Gramm Salz täglich sind auch für ältere Menschen mit niedrigem Blutdruck nicht empfehlenswert. Sprechen Sie diesen Punkt konkret mit Ihrem Arzt an. Bei Herzinsuffizienz oder Nierenproblemen gilt: mehr Salz kann schaden.
Wie lange dauert die Anpassungsphase des Blutdrucks im Frühling normalerweise?
In meiner Erfahrung dauert die Anpassungsphase bei den meisten Menschen zwei bis sechs Wochen. In dieser Zeit schwanken


